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Bereits zu Lebzeiten galt der Münchener Bildhauer im Kreis der Kenner
als Klassiker einer abstrahierenden Figuration. Parallel zu den auffallend
dominierenden Malerbildhauern weckte Croissant seit den frühen 80er
Jahren innerhalb einer figurativen BiIdhauerszene in Westdeutschland anhaltendes
Interesse. In seinem Reifewerk hat er die Grenze einer organischen Figuration
innerhalb der dreidimensionalen Darstellung erreicht und abgesteckt und
somit Maßstäbe gesetzt. Wie kein anderer seiner Generation
gilt er jüngeren, heute noch figurativ arbeitenden Bildhauern als
Vorbild. Michael Croissant gehört zu den wenigen deutschen Bildhauern
der letzten Jahrzehnte, denen es noch einmal gelungen ist, sich eine individuelle
und zugleich skulpturgeschichtlich bedeutsame figurative Position zu erarbeiten.
Trotzdem sind weite Teile seines Werkes in den Hintergrund getreten und
in den Depots der Museen verschwunden, die diese Werke besonders in den
60er und 70er Jahren erworben hatten. Daher kam die Aufarbeitung der verschwundenen
Werkgruppen aus dieser Zeit einer Neuentdeckung gleich.
In Auseinandersetzung mit der internationalen Bildhaueravantgarde (Picasso,
Richier, Moore) hatte sich Croissant seit seinem Studium bei dem Münchener
Bildhauer Toni Stadler in den 50er Jahren intensiv mit der plastischen
Tierdarstellung auseinandergesetzt. Hier fand er als einziger zu noch
heute verblüffenden Darstellungsformen, die der Verkitschung der
Tierplastik seit Franz Marc ein Ende bereitete. Mit seinen Kopf- und Helmdarstellungen
der 60er Jahre setzte er wiederum plastische Akzente, die auf den wichtigen
zeitgenössischen Ausstellungen große Beachtung und Nachahmer
fanden. Nach der Übernahme einer Professur an der Frankfurter Städelschule,1968,
wurde er zusammen mit dem Bildhauer Franz Bernhard zum Pionier einer Bodenplastik
in Deutschland: er verzichtete auf den Sockel, legte seine lebensgroßen,
abstrahierten Liegenden auf den Boden. In diesem Zusammenhang entdeckte
Croissant mit dem ägyptischen Totenkult eine antike Tradition, die
er in eine zeitgemäße künstlerische Sprache umsetzte.
Folglich war sein Schaffen seit den 70er Jahren geprägt durch das
ewig menschliche Thema Vergänglichkeit: Verlust, Auslöschung,
Tod. Dieses Thema verkörpert sich in einer abstrakten, anonymen und
abweisenden Form, innerhalb der das Menschenbild nur noch als Gestaltzeichen
aufscheint.
Die Ausstellung gibt mit Hauptwerken des Künstlers aus vielen privaten
Sammlungen und Museen einen Überblick über das Gesamtschaffen.
Die besondere Berücksichtigung der "vergessenen" Werke
der 60er und 70er Jahre belegt den Rang von Croissant innerhalb der deutschen
Skulptur und Plastik seit den ausgehenden 50er Jahren. Vieles findet man
in den Werken Jüngerer wieder, und man stellt erstaunt fest: das
hat Croissant schon damals gemacht?
Croissants Werk ist in seiner formalen Vielfalt und künstlerischen
Originalität verblüffend und wird, da sich Croissant nie sonderlich
um Publikationen und repräsentative Ausstellungen bemüht hat,
auch für viele mit der deutschen Bildhauerszene Vertraute eine Überraschung
sein.
Biografische Angaben
Geboren 1928 in Landau/Pfalz, zunächst Steinmetzlehre, von 1946
bis 1948 Unterricht an einer privaten Kunstschule in München, Wechsel
an die Kunstakademie und Studium bei Toni Stadler bis 1953. 1955 Stipendium
des „Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie“,
Teilnahme an der Biennale in Middelheim 1959, ausgezeichnet mit dem Pfalzpreis
(1960), dem Darmstädter Kunstpreis (1963), dem Förderkreis der
Stadt München (1965) und dem Hans-Purrmann-Preis (1966), dem Kunstpreis
des Landes Rheinland-Pfalz (1978), dem Reinhold-Kurth-Kunstpreis Frankfurt
für sein Gesamtwerk (1985), dem Bundesverdienstkreuz 1993 und der
Max-Lutze-Medaille 1994.
Croissant lebte und arbeitete von 1953 bis 1966 freischaffend in München,
anschließend war er bis 1988 Professor an der Städelschule
in Frankfurt. Von dort kehrte er nach München zurück, wo er
am 21. September 2002 verstarb.
Seit 1972 war Croissant Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen
Künste, ferner Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und der
„Neuen Gruppe“ München. Zahlreiche Werke von ihm sind
öffentlich aufgestellt, u.a. in Duisburg, Frankfurt, Köln, Ulm
und Peking (Deutsche Botschaft), etliche Arbeiten befinden sich in Museumsbesitz,
u.a. in der Kunsthalle Mannheim, Museum Ludwig Köln, Städel
Frankfurt, Lenbachhaus München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen
München, Pfalzgalerie Kaiserslautern und Landesmuseum Mainz.
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