Garten
Wiederherstellung des Gartens vom Georg-Kolbe-Museum
Georg Kolbe (1877-1947) ließ sich nach dem tragischen Tod seiner Frau Benjamine 1927 in der Sensburger Allee 25/26 ein Atelier- und Wohnhaus errichten. Das durch den Architekten Ernst Rentsch entworfene, bis 1929 realisierte Bauensemble wurde zu beiden Seiten eines von alten Kiefern gerahmten Waldweges gruppiert. Die Anlage des Gartens wurde durch den Bauherren selbst in enger Abstimmung mit seinem Architekten vorgenommen. Hierbei spielten Erinnerungen an landschaftliche Szenerien und Stimmungen, die Kolbe mit seiner Frau bei gemeinsamen Reisen erlebt hatte, eine wichtige Rolle. Der Garten wurde durch eine die beiden Gebäude verbindende Mauer von der Straße abgeschlossen und so zum abgeschiedenen Rückzugsort. Er diente zugleich als geschütztes Arbeitsatelier im Freien, der durch Mauern gefaßte Skulpturenhof zur Aufstellung seiner Kunstwerke. Diese Tradition wird mit der Nutzung des Bildhauerateliers als Museum seit 1950 fortgesetzt.
Garten und Gebäude stellen eine untrennbare Einheit dar, die einerseits die ganz persönlichen Vorstellungen des Bauherren und andererseits die modernen Tendenzen von Bau- und Gartenkunst der späten 1920er Jahre in vorbildlicher Weise dokumentieren. Die Architektur steht für eine gemäßigte, völlig auf Kolbe zugeschnittene Formensprache des Modernen Bauens. In ihrer Gesamtkomposition stellt sie ein hervorragendes Beispiel für das Eingehen auf vorhandene Gegebenheiten und die Einbeziehung der Landschaft in das Gesamtbild.
Die Gebäude wurden vor einigen Jahren unter Berücksichtigung der neuen Nutzung saniert und denkmalgerecht instandgesetzt. Im Garten sind zwar gegenüber der Erstanlage kaum Veränderungen festzustellen, jedoch haben Baumwachstum und geringerer Pflegeeinsatz zu einer Vereinfachung geführt. Auch die Museumsnutzung bringt neue Anforderungen mit sich, wie die Aufstellung von Plastiken und der damit einhergehende Besucherverkehr.
Auf Grundlage einer Untersuchung zur Entwicklungsgeschichte des Kolbe-Gartens, die durch Reinald Eckert im Auftrag der Stiftung für Bildhauerei und des Landesdenkmalamts Berlin, Referat Gartendenkmalpflege, erstellt wurde, erfolgte im Winterhalbjahr 2002/2003 eine behutsame Instandsetzung und Aufwertung der Außenanlagen. Ziel war einerseits die Wiederherstellung der durch den einstigen Waldweg geprägten einzigartigen Situation und andererseits die Erneuerung und Ergänzung der Wegeflächen zur Lenkung der Besucher sowie die Aufwertung der Bepflanzung und Ausstattung.
Folgende Wegebaumaßnahmen wurden durchgeführt:
- Instandsetzung der Plattenbeläge des Skulpturenhofs sowie der Klinkerwege
entlang der Hausfassaden.
- Herstellung eines Plattenpfads in der zentralen Rasenfläche zur Lenkung
der Besucher
- Anlage einer Rampe am einstigen Wohnhaus zur behindertenfreundlichen Erschließung
der dort befindlichen Ausstellungsräume und des Cafés
- Neuordnung und Herstellung der Sitzterrasse hinter dem Café, Erneuerung
der Wege im Vorgarten und der Garagenzufahrt.
Im Baumbestand waren einige überalterte, windbruchgefährdete und Pilzbefall aufweisende Bäume zu entfernen. Dafür wurden große Kiefern gepflanzt, um die Kontur des einstigen Waldwegs wieder zu verdeutlichen. Die gesamten Pflanzflächen wurden mit Rhododendren, Azaleen und anderen schattenverträglichen Gehölzen aufgewertet. Auch in der Unterpflanzung wurde das Waldthema aufgegriffen, d. h. schattenverträgliche Waldstauden, wie Akelei, Leberblümchen, Primeln, Lungenkraut angepflanzt und unter die Buchengruppe Buschwindröschen gesetzt. Wie zu Kolbes Zeiten sollen die an den Kiefern gepflanzten Kletterrosen und Blauregen einen jahreszeitlich besonders auffallenden Schmuck darstellen. Zur Vereinfachung der Pflege und Verbesserung der Wachstumsbedingungen dient eine automatische Beregnungsanlage im zentralen Gartenbereich.
Der Tänzerinnenbrunnen wurde einer grundlegenden Sanierung unterzogen, d. h. die Bronzefigur, die Steinskulpturen sowie Brunnenschale gereinigt. Fehlstellen in den Natursteinteilen wurden vom Steinrestaurator ergänzt. Auch der kleine Spiralbrunnen im Skulpturenhof wurde gerichtet, so dass dieser mit seinem leisen Plätschern und den Lichtreflektionen wieder eine willkommene Bereicherung im Skulpturenhof darstellen wird.
Die Wiederherstellung des Kolbe-Gartens war nur durch die großzügige
Unterstützung durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie möglich.
Die Baukosten betragen insgesamt ca. 125.000,00 EURO.
Die Kosten für die Sanierung des Tänzerinnenbrunnens von ca. 10.000
Euro werden durch eine Spende des Lions Club Berlin-Alexanderplatz getragen.
Nun steht nur noch die Reinigung und Konservierung der im Garten aufgestellten Bronzefiguren an. Hierfür sucht die Georg-Kolbe-Stiftung Paten (Kosten je 500 EURO pro Figur).
Beteiligte:
Reinald Eckert - Freier Landschaftsarchitekt, Grundlagenuntersuchung und Planung
Lompe Umweltplan B Landschaftsarchitekten und Verkehrsplaner, Bauleitung
Manfred Entemann, Garten und Landschaftsbau
Exner Beregnungstechnik
Gerhard Kunze , Sebastion Röhl, Restaurierung des Tänzerinnenbrunnens
Bildgießerei Hermann Noack, Restaurierung der Brunnentänzerin
Ferd. Thielemann, Brunnentechnik

