Ausstellung
Die Kunstkammer im Georg-Kolbe-Museum
Im Untergeschoss des Museumsneubaus befindet sich ein ungewöhnlich proportionierter Raum mit einer Grundfläche von etwa acht Quadratmetern und einer lichten Höhe von über vier Metern. Er wird von einer Plexiglashaube abgeschlossen, die der Lüftung im Brandfall dient. Von den Architekten des Gebäudes wurde er wegen seiner Höhe und der kuppelartigen Decke „Moschee“ getauft. Ursprünglich war er als Abstellraum konzipiert, gesichert mit einer verschließbaren Stahltür. Seit der Eröffnung des Neubaus stellte dieser Raum eine stete Herausforderung für die Ausstellungsgestaltung im Untergeschoss dar. Ohne direkten Bezug zu dem Hauptsaal blieb er in den meisten Fällen ein kommentarbedürftiger Appendix. Die starke Autonomie dieses kleinen Raumes ermöglicht eine separate Bespielung. Hier wurde im Januar 2009 ein neues Ausstellungssegment unter dem Titel „Die Kunstkammer im Georg-Kolbe-Museum“ eröffnet.„Die Kunstkammer im Georg-Kolbe-Museum“ ist ein Projektraum für zeitgenössische Künstler. Parallel zu den laufenden Ausstellungen im Rest des Hauses werden dort aktuelle bildhauerische Positionen gezeigt, um den Skulpturbegriff in seine Vielfalt und Aktualität zu behandeln. Tradition und Gegenwart befinden dadurch sich im Georg-Kolbe-Museum in unmittelbarer Nachbarschaft. Auf dem Dialog und der Verschränkung beider Bereiche spiegelt die Neuausrichtung des aktuellen Ausstellungsprogramms des Georg-Kolbe-Museums.
Kunstkammer im Georg-Kolbe-Museum No. 8– Venske & Spänle
02. Juli – 10. Oktober 2010
Eröffnung: Donnerstag 01. Juli 2010, 18 Uhr
Künstlergespräch zwischen Venske & Spänle und Dr. Marc Wellmann, Ausstellungsleiter des Georg-Kolbe-Museums
Das Künstlerpaar Julia Venske (*1971) und Gregor Spänle (*1969) bearbeit weißen Marmor zu abstrakten Gebilden, deren prall gespannte Außenhaut zunächst an einem amorphen Stoff aus der Plastikindustrie denken lässt. Erst beim Ertasten erfährt man die Kühle und Härte des althergebrachten Bildhauermaterials, das in einem aufwändigen Arbeitsprozess die Anmutung organischer Weichheit und Veränderlichkeit erhalten hat. Die mittlerweile auf über 200 Objekten angewachsene Population von Marmor-Wesen wird von Venske & Spänle in durchaus humorvoll gemeinter Anlehnung an die wissenschaftliche Nomenklatur in verschiedene Gattungen aufgeteilt. Dazu zählen vor allen die kleineren, häufig in Gruppen auftretenden "Smörfs" sowie die als Individuen gestalteten, größeren "Gumpfoten", von den Gumpftot-Freund im Hof des Georg-Kolbe-Museums steht. Aus diesen Grundarten haben sich die dann noch "Sauger", "Orophyten" und die "Helothrophen" entwickelt. Letzere Werksgruppe benötigt einen "Wirt" um als Skulptur vollständig zu sein, entweder einen Raum, eine Person oder einen Alltagsgegenstand.
Die Installation "Voyage Congolaise" in der Kunstkammer des Georg-Kolbe-Museums basiert auf einer Reise des Künstlerpaars in das schwarze Herz Afrikas. Wie bei früheren Reisen nahmen Venske & Spänle mehrere ihrer Geschöpfe mit, um dann am Ende dort als Zeugnis einer anderen Kultur hinterlassen zu werden. In anderen Fällen produzierten sie sie auch vor Ort. Im Kongo blieb eine Steinskulptur im Tausch für die hier mit ausgestellten zwei Nagel-Fetische.
Der Film "Voyage Congolaise", der im Rahmen dieses Projekts entstand, zeichnet ein Bild der Flusslandschaft des Kongo, abseits der durch die Medien verbreiteten Klischees. Der Fluss Kongo erstreckt sich über 4.400 km als der größte, zweitlängste und wasserreichste Strom Afrikas und als der zweitwasserreichste der Erde. Durch den Klang der Musik wird der Betrachter in den Sog der zentralafrikanischen Metropole Kinshasa hineingezogen. Geistergleich erscheinen auf vorbeigleitenden Booten "Gumpfoten". Voller Neugier erkunden sie horchend ihre Umwelt. Parallel hierzu werden die beiden auf dem gekenterten Lastkahn geborgenen "Smörfs" von den Menschen des Landes in ihrer eigenen Sprache (Lingala) beschrieben, herumgefahren und zu verschiedensten Zwecken in den Dienst genommen, wie ein natörlicher Bestandteil ihres Alltags. Erst nach Fertigstellung des Films hat sich der in der Kunstkammer ausgestellte "Gumpftot" in Marmor konkretisiert und in einen "Helothroph" mit Eimer verwandelt.
Webseite der Künstles:
www.eingriff.com
PRESSESTIMMEN
Tagesspiegel
"Afrika im Wohnzimmer: Julia Venske und Gregor Spänle im Kolbe-Museum
Sieht gemütlich aus, diese Wohnzimmerecke, die sich das Georg-Kolbe-Museum in seiner Kunstkammer eingerichtet hat. " (Annabelle Seubert)
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