Das Archiv


„Das wissenschaftliche Erschließen der Sammlungsbestände ist eine Kernaufgabe des Museums“ (ICOM Standards für Museen 2007)

Das Georg-Kolbe-Museum ist nicht nur ein Ort, an dem Kunst gesammelt und ausgestellt wird, sondern gleichzeitig auch ein Archiv, das schriftliche und fotografische Materialien entsprechend dem Schwerpunkt der Kunstsammlung bewahrt. Diese in der Museumslandschaft nicht alltägliche Ausrichtung erklärt sich durch die Geschichte des Hauses: Den Grundstock des Museums bildete der Künstlernachlass Georg Kolbes. Dieser bemühte sich schon früh um die Dokumentation seines Werkes, indem er seinen künstlerischen und schriftlichen Nachlass bewahrte, seine Werke fotografisch dokumentieren ließ und über Jahrzehnte einen Ausschnittdienst beauftragte.

Seit den 1980er Jahren erfolgt eine Ausweitung des Sammelgebietes über das Schaffen Kolbes hinaus. So wurde der gesamte Nachlass von Richard Scheibe, dem engsten Künstlerfreund Kolbes, erworben: auch er umfasst sowohl Kunstwerke als auch schriftliche Dokumente. Weiterhin konnte das Museum etliche weitere Teilnachlässe von Bildhauern, wie Renée Sintenis oder Ernesto di Fiori erwerben.

Das Georg-Kolbe-Museum besitzt ein Archiv von großer Bedeutung für sein Spezialgebiet, die Bildhauerei der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Besonders durch Kolbes Stellung in der Öffentlichkeit geht die Bedeutung seines Nachlasses weit über die Dokumentation eines individuellen Werkes hinaus und bietet deshalb auch für andere Kunst- und Kulturbereiche aufschlussreiches Material.

Angesichts des chronischen Personalmangels war es lange Zeit nicht möglich, das Archiv im gleichen Ausmaße wie die Kunstsammlung zu erfassen und zu publizieren. Die sehr heterogene Situation der Archivbestände und ihre wissenschaftliche Erschließung macht eine systematische Aufarbeitung dringend notwendig. Bereits das von der Hermann-Reemtsma-Stiftung geförderte und 2007 abgeschlossene Projekt zur Erfassung des Scheibe-Nachlasses war ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Dank des ab Juni 2008 gestarteten DFG-Projektes wird nun dieser Künstlernachlass, gemeinsam mit allen weiteren schriftlichen Nachlässen, in den kommenden zwei Jahren für die Öffentlichkeit digital zugänglich gemacht werden.

Die Bestände des Archives und der Bibliothek sind zur Zeit nur vor Ort recherchierbar. Der Besuch ist nach Voranmeldung während der regulären Öffnungszeiten des Georg-Kolbe-Museums für Wissenschaftler, Studierende und sonstigen Interessenten möglich.