Ausstellungen

Skulpturen im Olympia-Gelände

Modelle, Fotografien, Dokumente

Mit der Fußballweltmeisterschaft ist das Berliner Olympiagelände von 1936 erneut ins Blickfeld gerückt. Das Georg-Kolbe-Museum, das sich in naher Nachbarschaft befindet, stellt in einer Sonderausstellung den plastischen Schmuck dieser Anlage vor, an der Kolbe mit zwei Bronzen beteiligt war.
Die Statuen und Reliefs im Olympiagelände waren in den 1990er Jahren heftig umstritten. Die damalige Auseinandersetzung stand im Zusammenhang mit der – letztlich gescheiterten – Olympia-Bewerbung Berlins. Die Skulpturen wurden damals als u. a. als „in Stein gehauener Rassenwahn“ bezeichnet. Man empfahl ihre Entfernung oder Verfremdung. In einem deutlichen Mißverhältnis zu der lautstarken Kritik stehen die historischen Quellen.
Das Statuenprogramm wird in der Ausstellung in sein historisches Umfeld eingebettet. Am Anfang steht ein Blick auf den Vorgängerbau, das von Otto March 1912/13 errichtete Deutsche Stadion, das Schauplatz der Olympischen Spiele 1916 werden sollte. Der Erste Weltkrieg verhinderte ihre Durchführung. Bei dem umfangreichen plastischen Programm war schon der junge Georg Kolbe beteiligt, neben August Kraus, Sascha Schneider, Ludwig Cauer u. a. Diese Bildhauer führten Athletenstatuen aus, zwei Reiter, einen Neptun und eine Victoria. 1913 konnten diese Plastiken nur in vergänglichem Material (vermutlich Hartgips) ausgeführt worden; die geplante Umsetzung in Bronze unterblieb. Die Statuen verfielen in den 1920er Jahren.
Als 1933 die Entscheidung fiel, für die Olympischen Spiele von 1936 nicht das alte Stadion umzugestalten, sondern ein neues zu errichten, war eine bildhauerische Ausschmückung anfangs nicht eingeplant. Erst 1935 begann ein Kunstausschuss mit seiner Arbeit. Mit Mitteln von Sponsoren und Ministerien wurde ein ambitioniertes Skulpturenprogramm realisiert. Dabei gab der Architekt Werner March den Ton an: Er verlangte eine Einordnung unter die architektonische Raumplanung sowohl im Format als auch in der Strenge des Stils. Aus diesen Vorgaben, die zahlreiche Konflikte mit sich brachten, entwickelte sich im Stadionbereich ein einheitliches Gesamtkunstwerk, während im Sportforum und im Schwimmbad die Auflagen weniger streng waren.
In der Ausstellung werden schriftliche und gedruckte Quellen zusammen mit Modellen einiger der Großbildwerke – von Karl Albiker, Arno Breker und Georg Kolbe – sowie mit historischen Fotografien präsentiert. Somit werden einerseits die Skulpturen in ihrer künstlerischen Eigenart erkennbar, anderseits wird der historische Rahmen, in dem sie stehen, verdeutlicht.
Die gesamte neuzeitliche olympische Bewegung bezog sich auf das griechische Vorbild. Auch bei der Betonung des Zusammenhangs von Sport und Kunst sah man sich der Antike verpflichtet. Wie bei den vorangegangenen Spielen gab es auch 1936 Kunstwettbewerbe. Daneben wurde die Ausstellung „Der Sport der Hellenen“ gezeigt. Die Darstellung antiker Figuren war in der Berichterstattung und Werbung für die Spiele allgegenwärtig. Das Berlin der Olympischen Spiele versuchte damals sich als neues „Hellas“ seinen Gästen vorzustellen.

Ausstellungsdauer: 28. Mai bis 20. August. 2006
Öffnungszeiten: Di. bis So, 10 bis 17 Uhr