Forschung
Werkverzeichnisse
- Werkverzeichnis Georg Kolbe
- Werkverzeichnis Richard Scheibe
- Werkverzeichnis August Gaul (abgeschlossen)
Werkverzeichnis Georg Kolbe
Der Œuvrekatalog der plastischen Arbeiten von Georg Kolbe wird derzeit von Dr. Ursel Berger erarbeitet. Jahrzehntelange Vorarbeiten verschiedener Autoren gingen voraus, u. a. eine amerikanische Dissertation (Kurt Eugene von Meier: Georg Kolbe 1877-1947, Ann Arbor 1966). Die Aufarbeitung des schriftlichen und fotografischen Nachlasses von Kolbe sowie bislang unberücksichtigter Quellen in zahlreichen Archiven hat die Grundlage für die Bearbeitung des Werkes erheblich verbessert.
Da der Künstler der erfolgreichste deutsche Bildhauer seiner Generation war, ist sein Schaffen mit der kulturellen Entwicklung seiner Zeit eng verbunden. So bilden zum Beispiel die fast 200 Bildnisse einen Spiegel der Gesellschaft in Deutschland von der Jahrhundertwende bis zur Nachkriegszeit. Hauptthema Kolbes war jedoch die autonome Aktfigur, mit der er sich in über 500 Werken – vorrangig weibliche Gestalten auseinandersetzte. Neben den bekannten und in Sammlerkreisen geschätzten Bronzen mittleren und kleinen Formates gibt es zahlreiche Unikate. Manche Werke wurden nur in Gips ausgeführt, etliche sind verschollen. Insgesamt sind viele Figuren bisher noch nicht publiziert.
Kolbes stilistische Entwicklung, die die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts umfasst, zeigt zahlreiche Parallelen zur Kunst seiner Zeit, aber auch zu anderen kulturellen Entwicklungen, zum Beispiel dem Tanz. Wenig bekannt sind Kolbes Arbeiten im Bereich der Architekturplastik, seine zahlreichen Denkmalsprojekte, von denen nur ein kleiner Teil realisiert wurde, sowie andere Auftragsarbeiten, wie Brunnen, Grabmäler, Medaillen. Die ungewöhnlichsten Arbeiten stehen am Anfang des Werkverzeichnisses: Tierfigürchen aus Wachs, die der zwölfjährige Schüler modellierte.
Der Œuvrekatalog verzeichnet alle plastischen Werke in chronologischer Reihenfolge, informiert über Material und Technik, Signaturen, Auflage usw. Herausgestellt werden außerdem die Zusammenhänge innerhalb des plastischen (und zeichnerischen) Werkes, Auftragsmodalitäten und die zeitgenössische Resonanz. Der Reichtum, die Vielfalt und die – bei aller Zeitgebundenheit – besondere Eigenart und Qualität des plastischen Werkes von Georg Kolbe wird so nachvollziehbar.
Werkverzeichnis Richard Scheibe
Die wissenschaftliche Bearbeitung des Werkes von Richard Scheibe bildete lange Zeit ein Desiderat, obwohl es ein Werkverzeichnis gibt, das 1961 von Magdalena George als Leipziger Dissertation vorgelegt wurde. Zwar entstand die Arbeit noch zu Lebzeiten Scheibes, doch wurde sie vom Künstler offensichtlich kaum gefördert. Wesentliche Quellen, wie z. B. die Abrechnungsbücher von Scheibe und der Berliner Bildgießerei Noack, blieben unberücksichtigt. Deshalb sind viele Angaben fehlerhaft.
Den entscheidenden Impuls für die Überarbeitung des alten Werkverzeichnisses lieferten umfassende Recherchearbeiten im Vorfeld der 2004 im Georg-Kolbe-Museum gezeigten Richard-Scheibe-Retrospektive. Als wichtigste Arbeitsgrundlage für die Ausstellung und den begleitenden Katalog „Nymphe und Narziss. Der Bildhauer Richard Scheibe (1879-1964)“ diente der Scheibe-Nachlass, welcher in den 1980er Jahren vom Museum erworben wurde und eine Fülle direkter und indirekter Hinweise auf das Gesamtwerk des Künstlers bietet.
Im direkten Anschluss an das ambitionierte Ausstellungsprojekt und gefördert durch die Hermann-Reemtsma-Stiftung, wurde der bis dato nur vorsortierte Künstlernachlass systematisch erschlossen. Die Inventarisierung der Kunstwerke sowie die Erfassung des schriftlichen Nachlasses ergaben eine Fülle von Hinweisen auf bisher unbekannte Werke des Künstlers. Verzeichnete Magdalena George zu Beginn der 1960er Jahre ca. 350 plastische Arbeiten, so konnten bisher ca. 400 Werke nachgetragen werden.
Werkverzeichnis August Gaul
2007 veröffentlichte Dr. Josephine Gabler im Auftrag des Georg-Kolbe-Museums den Katalog der Plastiken des Tierbildhauers August Gaul (1869-1921). Das bildhauerische Werk eines der Begründer der modernen Bildhauerei in Deutschland wird erstmals vollständig vorgestellt. Als führendes Mitglied der Berliner Secession gelang es Gaul mit einer neu aufgefassten, formreduzierten Tierplastik die Skulptur von den Übertreibungen des Neubarock zu befreien. Eine phantasievolle Gestaltung und hohe Maßstäbe an die technische Ausführung seiner Arbeiten kennzeichnen sein Werk.
Das Verzeichnis umfasst 291 Nummern. Die plastischen Werke werden in chronologischer Reihenfolge angeführt mit Foto, technischen Angaben, wissenschaftlicher Einordnung sowie Literatur- und Besitzernachweis. Aufschlussreich ist der Darstellung der Gusstätigkeit zu Lebzeiten des Künstlers und der Nachlasspolitik der Erben. Eine Einführung in das Werk des Künstlers, seine Biographie sowie das Literaturverzeichnis runden das Buch ab.
Josephine Gabler: August Gaul. Das Werkverzeichnis der Skulpturen, Berlin (Jaron Verlag) 2007
ISBN 978-3-89773-569-9 (€ 34,90) – Kein Schriftentausch möglich!

